Pädiatrie: Die Akute Lymphoblastische Leukämie im Kindesalter II

Translationale Forschung der ALL-BFM-Studiengruppe II: Schwerpunkt experimentelle Forschung an präklinischen Modellen

Im Rahmen von Begleitforschungsprojekten der AIEOP-BFM Studien wird seit Jahren daran gearbeitet Resistenzmechanismen der ALL im Kindesalter besser zu verstehen. Bei der ALL im Kindesalter ist das Ziel der Polychemotherapie, die Leukämielast möglichst schnell in nicht mehr nachweisbare Bereiche zu senken. Die Stratifizierung in eine bestimmte Therapiegruppe findet anhand des Nachweises der minimal-residualen Resterkrankung (MRD) im Knochenmark statt. Dabei wird versucht, mit sensiblen molekularbiologischen Methoden residuale Leukämiezellen zwischen normalen Knochenmarkszellen nachzuweisen. Die Patienten mit einer MRD-Negativität, also ohne den Nachweis residualer Leukämiezellen, haben dabei die beste Prognose.

Leider gibt es immer noch Patientensubpopulationen, in denen Rezidive trotz eines guten Therapieansprechens (MRD-Negativität) entstehen, was für Patientinnen und Patienten, ihre Eltern und das Behandlungsteam immer einen schweren Rückschlag darstellt. Dieses Phänomen könnte dadurch bedingt sein, dass die Chemotherapie ein Überleben kleiner, besonders therapieresistenter leukämischer Subklone begünstigt. Andererseits könnte es aber auch sein, dass leukämische Zellen in der protektiven Nische des Knochenmarks in einen echten Schlafzustand geraten („Dormancy“), aus dem sie zu späteren Zeitpunkten wieder erwachen können. Der Schwerpunkt der Arbeitsgruppe ist die Charakterisierung solcher schlafender Leukämiezellen bei der ALL im Kindesalter unter Verwendung von Zellkulturmodellen im Labor, aber auch anderer präklinischer Modelle.

Schwerpunktmäßig wird untersucht, durch welche molekularen Eigenschaften residuale Leukämiezellen in verschiedenen Nischen (Knochenmark, ZNS) überleben können, und wie sich Signale aus diesen Nischen auf die Sensitivität der Leukämiezellen gegenüber verschiedenen Wirkstoffen auswirken. Ferner ist von Interesse, durch welche molekularen Eigenschaften sich Leukämien in besonderen Patientengruppen (z. B. Patienten mit ALL-Spätrezidiven oder Säuglinge mit ALL) auszeichnen. Die experimentelle Forschung am Modell ist eng mit den Fragestellungen der ALL-BFM Studiengruppe verzahnt. Sie ist erforderlich, um mögliche Zielstrukturen für neue, spezifischere und möglicherweise nebenwirkungsärmere Therapien zu erkennen. Außerdem können in präklinischen Modellen erste Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit bestimmter Therapiestrategien erlangt werden.

Es bestehen zahlreiche Kooperationen auf dem lokalen, dem nationalen und dem internationalen Level.

Link zur Webseite der Arbeitsgruppe/des Instituts

Bei Interesse an einer Promotions- oder Habilitationsarbeit wenden Sie sich bitte an:

Denis Schewe        Martin Schrappe

Dr. med. Denis Schewe                                                    Prof. Dr. med. Martin Schrappe

Abteilung/Arbeitsgruppe: ALL-BFM-Studienlabor
Institut/Klinik: Klinik für Allgemeine Pädiatrie, CAU und UKSH, Campus Kiel

Anschrift: Arnold-Heller-Str. 3, Haus 9, 24105 Kiel
Telefon: +49-431-500-20102
E-Mail: denis.schewe@uksh.de; m.schrappe@pediatrics.uni-kiel.de